Eltern-Kind-Beziehung

Was im öffentlichen Raum, beispielsweise auf vielen Spielplätzen und zu Hause alltäglich in Bezug auf Mediennutzung ist, wird erst seit wenigen Jahren wissenschaftlich untersucht. Schon lange ist erwiesen, dass Eltern – auch wenn es Ihnen häufig nicht bewusst ist – Vorbilder für ihre Kinder sind. Das gilt auch für den Umgang mit digitalen Medien. Schauen die Eltern oft auf das Display, tun es die Kinder auch.

Kleine Kinder können auf die Handy-Konkurrenz nur unbewusst reagieren. Größere Kinder hingegen artikulieren ihre Kritik deutlich: In internationalen Umfragen sagten ein Drittel oder sogar über die Hälfte der befragten Kinder und Jugendlichen, dass sie sich von ihren Eltern wegen deren Handy-Verhaltens vernachlässigt fühlen.

Missachtete jüngere Kinder reagierten mit Wutanfällen, seien eher frustriert, hyperaktiv, jammerten oder schmollten berichten die Forscher im Fachjournal “Pedriatic Research”. Ein negativer Kreislauf entstehe, denn viele Eltern reagierten auf auffällige, als anstrengend empfundene Kinder mit noch mehr Medienkonsum. Eltern abgelenkt – Kind quengelig – Eltern genervt – Kind noch quengeliger – Eltern kleben noch mehr am Handy und so fort.

Eltern am Smartphone sind zwar körperlich, aber emotional nur sporadisch für ihre Kinder präsent. Eine mögliche Folge für ist eine Mischung aus Verunsicherung und Verhaltensauffälligkeiten. Besonders für jüngere Kinder hat der intensive Smartphonegebrauch von Mutter oder Vater mitunter fatale Folgen: Zuwendung wird für sie nicht vorhersehbar. Werden Kleinstkinder aber nicht in ausreichendem Maße von ihren Bezugspersonen direkt angesprochen, kann es z.B. zu Bindungsstörungen mit Verhaltensauffälligkeiten oder auch zu Sprachstörungen kommen.

Mütter, die beim Stillen ihrer Säuglinge auf das Smartphone schauen, haben mehr Schwierigkeiten beim Füttern und unruhiger schlafende Kinder. (Alter: 4 Wochen bis 12 Monate; n = 1 828) Die Smartphone-Nutzung der 2- bis 5-jährigen Kinder geht mit Konzentrationsstörungen und Sprachentwicklungsstörungen einher (n = 2 060)
Quelle: Längsschnittstudie im Pediatric Research 2018

Wenn die Eltern Stress mit ihren Kindern haben, wenden sie sich eher von den Kindern ab und dem Smartphone zu Psychisch belastete Eltern vermeiden also nicht nur den direkten Kontakt zu ihren Kindern, sie sind zusätzlich auch leichter ablenkbar.
Quelle: Längsschnittstudie im Pediatric Research 2018

Weint das Kind, ist es verzweifelt oder hat es bereits resigniert, weil wichtige Bedürfnisse immer wieder nicht befriedigt werden, sind die Folgen besonders schwerwiegend.

Die unmittelbaren, kurzfristigen Auswirkungen der intensiven Smartphone-Nutzung durch Eltern auf Kinder im Säuglingsalter sind vergleichbar mit den Folgen einer akuten depressiven Erkrankung. Allerdings sind die Folgen weniger schwerwiegend, weil es nicht depressiven Eltern im Zweifelsfall schneller gelingt wieder aktiv Kontakt zu ihrem Kind aufzunehmen.

Fazit der meisten Studien: Die Dosis macht das Gift! Wird mit Kindern wenig gesprochen, werden sie vernachlässigt und haben sie wenig Gelegenheit zum Spielen mit anderen Kindern, dann ist die Entwicklung ihrer Potenziale gefährdet. Wenden sich Eltern ihren Kindern aber regelmäßig zu und bekommen sie gezielt Aufmerksamkeit und Nähe, sind Zeiten mit weniger Aufmerksamkeit durch die Eltern in der Regel unproblematisch. Als besonders positiv hat sich laut einer englischen Langzeitstudie das Vorlesen erwiesen: Körperliche Nähe, gemeinsame Erfahrungen und die vertraute Stimme von Mutter oder Vater sorgen für ein Gefühl der Geborgenheit. Das heißt: die gemeinsame Mediennutzung von Erwachsenen und Kindern ist etwas ganz anderes als das Smartphone oder Tablet als Babysitter.

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Still Face Experiment

Das 1975 von Edward Tronick durchgeführte “Still Face Experiment” macht deutlich, wie sich das Verhalten der Eltern direkt auf das Verhalten der Babys auswirkt. Das versteinerte, ausdruckslose Gesicht, das viele auch bei der Smartphone Nutzung haben, macht den Kindern schwer zu schaffen. Sie bekommen keine Aufmerksamkeit mehr und können nicht mehr aus den Emotionen der Eltern lesen.

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